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Interview mit New York Times Bestseller Autorin Joanna Penn.

Note: The English version of my interview with Joanna Penn is on her webseite at: The adventures in translation - The Creative Penn


J.: Hans, erzähle uns doch bitte etwas über dich und deinen Werdegang zum Schreiben und Übersetzen.

H.: Ich bin zwar in Deutschland aufgewachsen, doch die Schwester meiner Großmutter war Engländerin, und wir lebten alle im selben Haus. Sie brachte mich bereits als kleinen Jungen zur englischen Sprache. Daher wuchs ich zweisprachig auf. Als ich mich dann später für eine Engineering Karriere in der Luftfahrt entschloss, was das eine große Hilfe. In der Luftfahrt ist Präzision unbedingt erforderlich, und ich mochte keine halbherzig durchgeführten Sachen. Es war die perfekte Kombination. Ich bin überall auf diesem Globus gewesen, musste in Englisch denken und sprechen wenn ich nicht in Deutschland war, und so führte eins zum anderen. In der Vergangenheit wurde die zivile Luftfahrt, ehe der Airbus auf den Markt kam, von amerikanischen Herstellern beherrscht. Also ging ich zu Berlitz, perfektionierte dort mein Englisch, und konzentrierte mich von dem Moment an auf amerikanisches Englisch. Meine Pässe sahen im Laufe der Jahre wie impressionistische Gemälde aus, bedingt durch all die Stempel.

Meine Tätigkeit in der Qualitätskontrolle formte meine Fähigkeit nicht nur präzise Berichte zu schreiben, sondern auch gründliche Recherchen zu führen. Im Laufe der Jahre hatte ich Freunde in Singapur, Australien, und Amerika. Ich lebte wie ein Kosmopolit, doch das änderte sich nachdem ich Deutschland verlie?, und nach Amerika ging. Dort lernte ich auch meine Frau kennen, und war als Avionics Lehrer für eine US Fluggesellschaft tätig. Die Fluggesellschaft tauschte damals gerade ihre alternde Flotte aus. Das erforderte jedoch nicht nur die modernen Avionics Bordsysteme im Klassenraum zu lehren, sondern die Techniker in der Wartung benötigten zu dem neuen Flugzeugtyp auch Handbücher fürs Training. Es war eine neue Situation, aber ich hatte das nötige Wissen und fühlte die Genugtuung, die mir das Schreiben gab. Selbst wenn es dabei nur um das Erstellen und Editieren von technischen Unterlagen ging. Das hat sich seitdem nicht geändert, und es formte mich als Verfasser.

Meine Rückkehr nach Europa geschah gerade zu der Zeit, als man in Deutschland die Rechtschreibregeln änderte. Ich sah mich plötzlich mitten im Geschehen und musste die neuen Regeln lernen. Es war für mich nicht nur eine Auffrischung meiner Muttersprache, sondern mit Sicherheit sehr vorteilhaft für meine Kenntnisse zur korrekten Anwendung. Der Rest der Geschichte ist einfach. Die Muttersprache meiner Frau ist amerikanisches Englisch. Daher blieben wir für eine Weile erst in Deutschland, zogen dann aber schließlich in ein EU Land, in dem zwar Englisch gesprochen, aber auch Deutsch benötigt wird. So endeten wir in Malta, wo wir zur Zeit leben.

J.: Was sind einige der speziellen Herausforderungen bei Übersetzungen vom Englischen ins Deutsche?

H.: Das hängt davon ab, was übersetzt werden soll. Technische Anleitungen, im Grunde alle Sachbücher, sind mehr oder weniger Übersetzungen bei denen in jeder Weise Präzision verlangt wird. Da ist kein gro?er Spielraum für Interpretationen.

Das sieht jedoch ganz ander aus, wenn es um Novellen geht. Jede Sprache hat ihre eigenen Redensarten, und drückt die gleiche Situation oft ganz anders aus. Man muss sich der Eigenheiten des Landes, und den Gewohnheiten der Menschen die dort leben, bewusst sein. Novellen leben von Emotionen und Spannung, die der Autor erzeugt hat. Ein Wörterbuch neben sich zu haben, oder am Computer, ist einfach nicht genug für einen Übersetzer. Natürlich kann man Novellen auf diese Art übersetzen, riskiert dabei aber eine eintönige und langweilige Story zu erzeugen.

Die ideale Situation für Novellen und fachliche Manuskripte ist, selber in dem Umfeld gelebt zu haben. Dass man mit Nachbarn geplaudert hat, auf dem Postamt in der Schlange gewartet hat, oder im Stau stecken geblieben ist. Das Gefühl und Verständnis für die unterschiedliche Umgebung, seine Menschen, und wie sie sich ausdrücken, ist etwas das sich in der Übersetzung einer Novelle widerspiegelt. Diese Erfahrung kann keine Sprachschule, und auch kein Wörterbuch übermitteln. Meiner eigenen Meinung nach sollte ein guter Übersetzer selber globale Erfahrung gesammelt haben, und diesen Job nach Abschluss der Schule nicht einfach nur so ausführen.

J.: Weshalb wolltest du Desecration übersetzen? Gab es Überraschungen bei der Übersetzung?

H.: Ich denke, das war eine Kombination von mehreren Fakten. Einer davon war, dass ich Kriminalromane und Thriller mag. Der andere war die dunkle Seite und außergewöhnliche Stimmung des Manuskripts. Die Art und Weise in der Jamie mit ihren eigenen Emotionen und Problemen umging.

Was die Überraschungen angeht, da gab es schon ein paar. Die entstanden aber eher auf dem intellektuellen Gebiet, und hatten keinen technischen Hintergrund. Kurz nach Beginn der Übersetzung war ich tiefer in der Story als ich erwartet hatte. Ich tauchte regelrecht ein, erlebte Jamies Emotionen, und fühlte sie während der Übersetzung.

J.: Weshalb wolltest du das Angebot des anteiligen Honorars mit einem Autor? Was sind deine Ratschläge für Übersetzer, die diese Art einer Bezahlung vielleicht selber erwägen?

H.: Zwei gute Fragen. Die Antwort zur ersten basiert auf einer rein emotionalen Entscheidung. Ich glaube an mich und bin selbstsicher genug um schwierige Situationen zu handhaben. Das sind die Vorteile, wenn man schon eine Weile im Geschäft ist. Man weiß dass man nicht nur gewillt ist sein Bestes zu geben, sondern auch dazu fähig ist. Wenn man einen Auftrag durchführt, ohne wirklich dahinter zu stehen, dann kann das zu einem Fiasko werden. Kein Erfolg, keine Bezahlung. Man arbeitet ja auf der Basis von Erfolgshonorar, und das ist eine Herausforderung. Zugleich ist es auch für den Klienten eine faire Sache. Das Ganze basiert auf beiderseitigem Vertrauen und Selbstvertrauen. Die Chemie zwischen Autor und Übersetzer/-in muss stimmen. Das ist nicht immer gegeben.

Zur zweiten Frage würde ich den Rat geben, sich selbst zu fragen ob man der Typ eines Entrepreneurs ist. Freiberufler, die ihren Unterhalt damit bestreiten, sind gewöhnlich dieser Typ. Ansonsten könnten sie nicht davon leben. Gehe zu den Autoren, die solche Büchern schreiben, die du selber gerne schreiben würdest. Sehe dir die Webseite oder den Blog der Autoren an. Mache dich mit deren persönlichem Werdegang vertraut, und sehe ob ihr beide vielleicht irgendwelche Gemeinsamkeiten habt. Vertraue deinen Gefühlen und nehme Kontakt auf. Die endgültige Entscheidung fällt, wenn beide Seiten miteinander kommunizieren.

J.: Wie kann ein Indie-Autor einen guten Übersetzer, oder eine Übersetzerin, für ein Buch finden? Wie kann man das abschätzen wenn man nicht die Sprache spricht?

H.: Das ist der verzwickte Teil. Vor nicht allzu langer Zeit las ich einen Artikel über die recht kleine Welt der Übersetzer. Bis zu dem Zeitpunkt hatte ich nie groß darüber nachgedacht. Gewöhnlich geht es umgekehrt, und der Übersetzer nimmt mit dem Autor Kontakt auf oder man arbeitet mit mündlicher Empfehlung.

Der schlimmste Teil ist allerdings die Bewertung der Übersetzung. Referenzen sind dabei oftmals bedeutungslos, da jede Novelle und deren Übersetzung anders ist, bedingt durch den unterschiedlichen Stil der Autoren. Die beste Weg ist vermutlich der, der auch beim Korrekturlesen benutzt wird. Ich würde ungefähr fünf Seiten einer Übersetzung als Probe verlangen, und der Person eine schwierige Passage meines Manuskripts geben. Wenn man die Sprache nicht kennt, dann muss man die übersetzte Probe an Experten zur Bewertung übergeben und sich auf deren Meinung verlassen. Falls die schwierige Passage zur Zufriedenheit übersetzt wurde, dann werden die leichteren Passagen auch kein Problem darstellen. Doch das kann bereits eine zweifelhafte Situation sein. Gebe die gleiche Übersetzung einer Novelle zwecks Analyse zu drei verschiedenen Experten, und du bekommst drei unterschiedliche Meinungen.

J.: Wie sollen Übersetzer und Autor während des Prozesses der Übersetzung zusammen arbeiten, wenn es z.B. um aufkommende Fragen, Verfahren, oder Entscheidungen geht?

H.: Das kommt ganz darauf an, wo beide Parteien wohnen. Meistens leben Autor und Übersetzer weit entfernt von einander. Doch in unserer digitalen Welt ist das kein Problem mehr. Die besten Wege, und quasi Standard, sind Email und Skype. Das wichtigste Kommunikationsmittel ist wahrscheinlich die Email, da sie schnell ist, jederzeit erfolgen kann, und Anhänge erlaubt.

J: Wie und wo kann man dich erreichen?

H: Man kann mich natürlich hier über meine Webseite kontaktieren, findet mich aber auch an Twitter unter @h_maerker und an LinkedIn.

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